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Hintergrundartikel
 

Die Partnerschaft mit Fujitsu

Die SPARC-Strategie von Sun in neuem Licht

Sun Microsystems und Fujitsu Ltd. haben am 01. Juni 2004 die Erweiterung ihrer nunmehr 20-Jahre dauernden Partnerschaft bekannt gegeben. Die neue Kooperation sieht die Verschmelzung der Server-Familien Sun Fire und Fujitsu Primepower und die Entwicklung einer neuen gemeinsamen Generation von SPARC-Systemen unter dem Codenamen „Advanced Product Line“ (APL) bis Mitte 2006 vor. Bereits im Oktober 2003 hatten sich Scott McNealy und Fujitsu Gründer und CEO Naoyuki Akikusa darauf verständigt, die Kooperation auf der Server-Ebene zu intensivieren.

Die Konkurrenten im Unix-Server-Markt vereint die SPARC-Architektur.
Beide Unternehmen entwickeln auf dieser Plattform eigene RISCProzessoren, die sie in ihren Serverlinien Sun Fire und Fujitsu Primepower einsetzen. Für beide Serverlinien ist Solaris die bestimmende Betriebsystemumgebung. Sun und Fujitsu zählen außerdem zu den Mitgliedern der SPARC International Group, einem unabhängigen Gremium, das die Standardelemente für die SPARCChips festlegt. Die enge Verbundenheit der Unternehmen zeigte sich schon in den vergangen Jahren, als Fujitsu begann, die Sun UltraSPARC-Prozessoren als Fujitsu „S“-Linie im japanischen Markt zu vertreiben. Sun wiederum baute verschiedene Hardware-Komponenten wie beispielsweise Festplatten von Fujitsu in seine Systeme ein. Trotz der vielen Gemeinsamkeiten unterscheiden sich die Serverlinien im Chip-Design. Der Sun UltraSPARC und der Fujitsu SPARC64 weisen im Detail unterschiedliche Hardware-Konzepte auf und können nicht einfach in die Server-Familie des Anderen übernommen werden. Mit der geschlossenen Kooperation wird nun diese Hürde genommen und die jeweiligen Entwicklungs-Ressourcen, Chip-Designs und Serverlinien miteinander verschmolzen. „Die gemeinsame Entwicklung der SPARCCPUs alleine könnte für Sun jährliche Kosteneinsparungen von 200 Millionen Dollar bringen, würde die Kooperation auch auf die Server-Produkte ausgeweitet, würde sich der Betrag auf 300 bis 400 Millionen Dollar erhöhen“, prognostiziert Toni Sacconaghi, Finanzanalyst bei Sanford C. Bernstein.

Während Sun die Advanced Product Line zusammen mit Fujitsu entwickelt, plant Sun die eigenen Aktivitäten auf die Entwicklung innovativer Throughput Systeme zu fokussieren. Niagara und Rock lauten die Codenamen der Chipfamilien unter Sun Regie. Der Grund für diese Diversifizierung: Jeder der drei Chipfamilien zielt auf die kommende Spezialisierung von Servern im Zentrum oder am Rand eines Rechenzentrums. Sie lassen sich so charakterisieren:

  • APL-Rechner weisen die klassischen Tugenden der UltraSPARCServerlinie auf. Ihre Domäne sind Anwendungen, die auf „sequenzielle“ Hochleistung ausgelegt ist. Dazu zählen beispielsweise Simulationen wie Klimaforschung oder virtuelle Crashtests, die ein sehr schnelles Abarbeiten von Aufgaben erfordern.
  • die auf Kommunikation ausgelegten Server mit dem Niagara-Chip, die IP-Adressen sehr schnell lesen und verarbeiten. Niagara ist für alle Network Facing-Bereiche wie beispielsweise Web Server, Application Server, Firewalls, Mail Server und Directory Server wichtig. Anwendungsgebiete sind zum Beispiel die Internettelefonie (Voiceover-IP; VoIP) oder RFID-Systeme. Lieferketten, die per Radio Frequency Identification-Chips gekennzeichnete Produkte verarbeiten, sind für Sun sehr wichtig.
  • Die enormen Datenmengen, die beispielsweise aus einer RFIDInstallation kommen, müssen in Datacenters der neuen Generation verarbeitet werden. Dort stehen Server mit dem Rock-Chip im Zentrum. Ihre Stärke ist das parallele Bearbeiten von Prozessen, wie sie bei der Maschine-zu-Maschine Kommunikation entstehen. Auf ihnen laufen oft Datenbanken, die Web Services bedienen.

Von den Anwendungsaspekten nun zu den technologischen Eigenschaften der kommenden Prozessoren.

Die neue Serverlinie APL wird durch die klassischen Merkmale traditioneller SMP-Systeme gekennzeichnet sein. Auf Basis eines gemeinsam entwickelten Designs erfolgt die Fertigung der Server-Komponenten durch Fujitsu, während Sun für die Systemintegration verantwortlich zeichnet. Die zukünftigen APL-Systeme werden von Sun und Fujitsu vertrieben und mit umfassenden Services und Mehrwertdiensten angeboten. In der Übergangs-Periode bis zur neuen gemeinsamen Produktlinie 2006, werden Sun und Fujitsu ihre entsprechenden Produktportfolios um die Produkte des jeweils Anderen ergänzen. So wird Sun neben den Sun Fire Servern auch Fujitsu Primepower-Systeme anbieten und umgekehrt.

Mit der strategischen Kooperation fokussiert Sun seinen Forschungsschwerpunkt zum einen auf die Weiterentwicklung der SPARC-Architektur in Richtung hochparalleler „Chip Multi Threading“ – Technologien (CMT). Gleichzeitig dient die klassische APL Server-Produktlinie zur Abrundung des eigenen Throughput-Produktportfolios. So werden die aktuellen Sun Fire-Server von der ersten Generation von CMT-Systemen profitieren. Bereits im Februar 2004 wurde eine neue Familie von High-End-Servern mit UltraSPARC-IV-Prozessoren angekündigt, die bereits den doppelten Durchsatz gegenüber einem
UltraSPARC-III-basierten Server erreicht. 2005 wird dann die UltraSPARC-IV+ CPU folgen, welche den Durchsatz nochmals verdoppeln wird. Dabei können beide, der UltraSPARC-IV und der UltraSPARC-IV+ auch in Sun Fire Midrange- und High-End-Servern eingesetzt werden, in denen bisher die UltraSPARC III Verwendung finden. Ein klares Signal an die bestehenden Kunden bezüglich Investitionsschutz und Kompatibilität. Außerdem werden die Support und Serviceleistungen für die vorhandenen und künftigen Sun Fire-Systeme unabhängig von APL fortgesetzt.

Die nächste Generation des UltraSPARC-Prozessors mit CMTTechnologie kommt Ende 2006. Unter dem Codenamen „Niagara“ hat Sun bereits das Chip-Design hierfür abgeschlossen und befindet sich in der Testphase. Niagara wird die Durchsatzraten bisheriger SPARC basierter Systeme um das 15-fache steigern. Dieser Prozessor zielt vor allem auf kommunikative Aufgaben ab, der Chip kann vor allem IPAdressen sehr schnell verarbeiten.

Wenig später wird der „Rock“-Prozessor folgen. Dieser Chip wird eine Performance-Steigerung um den Faktor 30 im Vergleich zu jetzigen SPARC Systemen bieten. Während die APL-Chips von Fujitsu hergestellt werden, greift Sun bei der Herstellung der Niagara- und Rock-Chips auf den langjährigen Partner Texas Instruments zurück.

Trotz dieser weiterhin bestehenden Vielfalt an SPARC-Systemen wird nun das Gesamtbild zur SPARC-Architektur klar. Durch die engere Allianz mit Fujitsu werden Server auf SPARC-Basis weiter gestärkt. Im weltweiten Markt der Unix-Server ist die SPARC-Plattform bei einem Anteil von 50 Prozent mit Abstand die Nummer 1 (vgl. IDC Worldwide Quarterly Server Tracker, Mai 2004). Basis aller SPARC-Server ist das Betriebsystem Solaris, das hochsicher und stabil ist und übrigens tausende von Threads verwalten kann. Wiederum eine Schicht höher agiert das Java Enterprise System, das in punkto Integration und auch wegen seines Lizenzmodells im Abonnementsystem, z.B. nach Arbeitsplätzen, bislang einmalig ist. Und schließlich bleiben auch die künftigen Systeme binärkompatibel – ob alter oder neuer Server: die Anwendungen laufen immer.


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